Ratgeber / Oberflächen
Typ II oder Typ III: Welches Eloxal für Ihr Fahrradteil?
7. September 2026
Fast jedes gefräste Fahrradteil aus Aluminium wird eloxiert, und die Wahl zwischen den beiden gängigen Verfahren folgt weit öfter der Gewohnheit als einer technischen Überlegung. Die beiden Oberflächen erfüllen unterschiedliche Aufgaben, kosten unterschiedlich viel und verändern Ihre Maße unterschiedlich stark.
Was die beiden Verfahren tatsächlich sind
Beide lassen eine Aluminiumoxidschicht aus dem Bauteil selbst wachsen, statt etwas darauf aufzutragen. Der Unterschied liegt in Badtemperatur und Stromdichte.
Typ II arbeitet wärmer und mit geringerer Stromdichte. Die entstehende Oxidschicht ist porös, weshalb sie Farbe aufnimmt, und vergleichsweise dünn. Typ III, meist Harteloxal genannt, arbeitet nahe dem Gefrierpunkt und mit deutlich höherer Stromdichte. Die Schicht ist dichter, härter und um ein Mehrfaches dicker.
| Typ II | Typ III | |
|---|---|---|
| Typische Schichtdicke | 5 bis 25 µm | 25 bis 50 µm |
| Farbmöglichkeiten | Volle Farbpalette | Dunkelgrau bis schwarz, abhängig von der Legierung |
| Oberflächenhärte | Mittel | Hoch, an der Oberfläche vergleichbar mit gehärtetem Stahl |
| Auswirkung auf einen Durchmesser | Wächst oder schrumpft um 5 bis 25 µm | Wächst oder schrumpft um 25 bis 50 µm |
| Auswirkung auf die Dauerfestigkeit | Messbar | Größer |
| Relative Kosten | Basis | Höher |
Das Maßproblem, das niemand einplant
Hier trennen sich gute Zeichnungen von schlechten.
Nehmen Sie einen Vorbau mit einer Gabelschaftbohrung von 28,6 mm, auf Nennmaß gefertigt und anschließend mit 20 µm Typ II eloxiert. Die Bohrung ist danach etwa 0,02 mm kleiner. Bei einer Klemmbohrung, die ohnehin über eine Klemmschraube geöffnet wird, fällt das niemandem auf. Nehmen Sie dagegen einen Nabenkörper mit einem Lagersitz für ein 6902-Lager bei 28 mm, gefertigt für eine Presspassung mit 0,01 mm Übermaß und anschließend mit 40 µm harteloxiert. Der Sitz ist nun 0,04 mm enger als konstruiert, und das Lager geht entweder gar nicht hinein oder wird beim Einpressen beschädigt.
Es gibt drei Lösungen, und Sie müssen eine davon in der Zeichnung festlegen:
- Das Merkmal abdecken. Der Eloxierbetrieb verschließt die Bohrung mit Stopfen oder Kappen. Konstruktiv am einfachsten, kostet aber bei jeder Charge Geld.
- Ein Aufmaß vorsehen. Die Bohrung wird um den erwarteten Schichtaufbau größer gefertigt. Dafür müssen Sie und der Betrieb sich auf die Schichtdicke einigen, das heißt, Sie müssen sie spezifizieren, statt nur „eloxiert“ zu schreiben.
- Nach dem Eloxieren bearbeiten. Nur bei Merkmalen, die gut zugänglich sind. Die Schicht ist hart und belastet das Werkzeug stark.
Egal, wofür Sie sich entscheiden: Geben Sie die Schichtdicke in der Zeichnung als Bereich an. „Eloxal Typ II, schwarz, 15 bis 20 µm, Bohrung A abdecken“ ist eine Spezifikation. „Schwarz eloxiert“ ist ein Wunsch.
Der Dauerfestigkeitsverlust bei tragenden Teilen
Eloxieren verringert die Dauerfestigkeit von Aluminium, und je dicker die Schicht, desto größer der Verlust. Die Oxidschicht ist hart und spröde, sie reißt unter Dehnung lange bevor das Aluminium nachgeben würde, und diese Risse wirken als Ausgangspunkte für Risse im darunterliegenden Metall.
Das betrifft genau die Teile, die Ihnen am wichtigsten sind: Kurbeln, Vorbauten, Gabelschaftklemmungen und Motorhalterungen an E-Bikes. Veröffentlichte Prüfungen an Kurbeln aus 7075-T6 unter EN-Prüfbedingungen fanden einen klaren Zusammenhang zwischen Eloxaltiefe und Lastwechseln bis zum Bruch.
Daraus ergeben sich praktische Regeln:
- Harteloxieren Sie ein dauerfestigkeitskritisches Teil nicht nur deshalb, weil es robuster wirkt. Es ist nicht robuster in der Hinsicht, auf die es ankommt.
- Wenn ein Teil aus Verschleißgründen harteloxiert werden muss, decken Sie die hochbelasteten Übergänge und Radien ab.
- Wenn Sie ein Teil über eine Prüfung freigeben wollen, prüfen Sie es mit der Oberfläche, mit der es ausgeliefert wird, nicht blank.
Welches Teil welches Verfahren bekommt
Typ II für Vorbauten, Lenkerklemmplatten, Bremsadapter, Sattelklemmen, Spacer, Flaschenhalter, Kettenblätter und das meiste, was eine Marke in Farben anbietet. Es ist der übliche Look im Nachrüstmarkt und schont die Dauerfestigkeit mehr.
Typ III für Flächen, die reiben oder Schmutz und Sand ausgesetzt sind: Pedalkörper, Kettenführungen, Kettenblattstifte, Lagerflächen an Drehpunkten, Bashguards. Nehmen Sie in Kauf, dass die Farbe dunkel ist und das Aussehen von Charge zu Charge stärker schwankt als bei Typ II.
Was Sie dem Betrieb schicken sollten
Eine Zeichnung, die Verfahren, Farbe, Schichtdickenbereich und abzudeckende Flächen nennt und festlegt, ob vor dem Serienlauf ein Muster freigegeben werden muss. Geben Sie an, ob das Teil einer Dauerfestigkeitsprüfung unterzogen wird. Geben Sie an, ob die Farbe zu einem Teil passen muss, das Sie bereits verkaufen, denn Farbabgleich über Legierungen und Chargen hinweg ist ein eigenes Thema.
Steht das in der Zeichnung, ist die Oberfläche nicht mehr das, was den Auftrag verzögert.
Häufige Fragen
Macht Eloxieren ein Bauteil fester?
Nein. Es macht die Oberfläche härter und korrosionsbeständiger und verringert die Dauerfestigkeit. Die Oxidschicht ist keramisch und spröde, daher entstehen Risse zuerst in ihr und laufen in das darunterliegende Aluminium weiter. Veröffentlichte Dauerfestigkeitsuntersuchungen an Kurbeln aus 7075 zeigen, dass der Effekt mit zunehmender Schichtdicke stärker wird.
Wie stark wird eine Bohrung durch das Eloxieren kleiner?
Die Schicht wächst etwa zur Hälfte ihrer Dicke nach außen über die ursprüngliche Oberfläche hinaus, sodass eine Bohrung im Durchmesser ungefähr die volle Schichtdicke verliert. Das sind etwa 5 bis 25 µm bei Typ II und 25 bis 50 µm bei Typ III. An einem Lagersitz ist das der Unterschied zwischen Presspassung und Spielpassung.
Kann ein Bauteil beide Oberflächen erhalten?
Ja, durch Abdecken. Das kostet extra und erfordert eine Zeichnung, die genau festlegt, welche Fläche welche Oberfläche bekommt. Bei Pedalkörpern ist das üblich: Die Kontaktfläche erhält Typ III, der Rest eine Farbe.
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